Rahmengenähte Schuhe: Meisterstücke der Schuhmacherkunst

Rahmengenähte Schuhe gelten gemeinhin als das hochwertigste Schuhwerk überhaupt. Der Bau verlangt ein hohes Maß an handwerklichem Können und einen sehr hohen Arbeitsaufwand, der bei handgefertigten Modellen mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann.

Rahmengenähte Herrenschuhe von Ludwig Reiter

Was bedeutet "Rahmennähen"?

Normalerweise besteht ein Schuh aus dem Schaft (oben) und dem Boden (Sohle). Beim Rahmennähen werden diese Teile durch einen schmalen Lederstreifen – den Rahmen – verbunden:

  • Die Konstruktion: Der Rahmen wird zuerst an die Brandsohle und den Schaft genäht.
  • Die Doppelnaht: Eine weitere Naht verbindet schließlich die sichtbare Laufsohle mit diesem Rahmen.
  • Die Korkschicht: Der Hohlraum zwischen den Sohlen wird mit Kork ausgeballt, was dem Fuß ermöglicht, sich ein individuelles, bequemes Fußbett zu formen.

Vorteile auf einen Blick

  • Langlebigkeit: Bei guter Pflege halten hochwertige rahmengenähte Schuhe 10 Jahre und länger.
  • Formstabilität: Der Rahmen sorgt für ein robustes Gerüst, das den Schuh dauerhaft in Form hält.
  • Nachhaltigkeit: Dank der Doppelnaht ist die Laufsohle besonders reparaturfreundlich und kann jederzeit erneuert werden.
Material-Exklusivität: Neben feinem Kalbsleder kommen oft seltene Lederarten wie Cordovan, Hirsch oder Büffel zum Einsatz. Je seltener das Material, desto exklusiver das fertige Meisterstück.

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Varianten rahmengenähter Schuhe

Rahmengenähte Schuhe bieten je nach Fertigungsart unterschiedliche Vorzüge. Vom aufwendigen Rangieren per Hand bis zum weltweit geschätzten Goodyear-Verfahren gibt es feine technische Unterschiede.

Rangieren: Die hohe Kunst der Handarbeit

Bei klassischen Modellen wird die Brandsohle manuell vorbereitet, um höchste Stabilität und Wasserfestigkeit zu garantieren:

  • Die Rangierbahn: Aus dem Rand der Brandsohle wird eine Lippe „ausgeschnitzt“, an die der Rahmen genäht wird.
  • Nahtloses Inneres: Da die Naht nicht durch die Brandsohle geht, bleibt das Innere glatt – eine Decksohle ist oft gar nicht nötig.
  • Wasserfestigkeit: Durch den Verzicht auf durchgehende Stiche ist der Schuh deutlich unempfindlicher gegen Feuchtigkeit.

Maschinelle Verfahren im Vergleich

Um die Herstellung effizienter zu gestalten, haben sich über die Zeit zwei bedeutende Verfahren etabliert:

  • Blake-Naht (Durchgenäht): Schaft, Rahmen und Brandsohle werden maschinell direkt miteinander verbunden. Die Naht ist im Inneren spürbar und wird meist durch eine Decksohle verdeckt.
  • Goodyear-Welted: Der Einsatz spezieller Goodyear-Nähmaschinen verbindet Laufsohle und Rahmen präzise und haltbar. Dies ist heute der Inbegriff für gehobene Schuhkultur.

Renommierte Hersteller

Diese Marken stehen für exzellente rahmengenähte Schuhe:

  • John Lobb: Bekannt als der „König der Schuhmacher“.
  • Traditionshäuser: Alden, Allen-Edmonds, Cheaney, Crockett & Jones, Edward Green, Ludwig Reiter, Lottusse und Tricker’s.
Kauf-Tipp: Achten Sie beim Kauf auf die Bezeichnung „Goodyear-Welted“. Sie ist ein Garant dafür, dass der Schuh bei Bedarf problemlos neu besohlt werden kann und Ihnen über viele Jahre treue Dienste leistet.

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